Niederschwelliger Einstieg, starke Ortsgruppen und gezielte Nachwuchsförderung
Die NaturFreunde führen mit der Ausbildungssaison 2026/27 eine neue Qualifikation zum*zur Kinderskilehrer*in ein. Sie richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die erste Erfahrungen in der Schneesportausbildung sammeln und Ortsgruppen bei Kinderskikursen unterstützen möchten.
Schneesport lebt von Begeisterung. Von Kindern, die zum ersten Mal auf Ski stehen, von Jugendlichen, die Verantwortung übernehmen wollen, und von ehrenamtlichen Ausbilder*innen, die diese Begeisterung weitergeben.
Damit dieser Geist auch in Zukunft in den Ortsgruppen weitergetragen werden kann, stellt das Bundeslehrteam Schneesport der NaturFreunde Deutschlands eine neue Ausbildung vor: die Qualifikation zum*zur Kinderskilehrer*in. Sie soll ab der Ausbildungssaison 2026/27 Jugendlichen und Erwachsenen einen niederschwelligen Einstieg in die Ausbildungswelt der NaturFreunde ermöglichen und zugleich die Ortsgruppen bei ihren Kinderskikursen stärken.
Spielerisch und sicher in den Schneesport einsteigen
Im Mittelpunkt steht dabei der Anfänger*innenbereich, vom Kennenlernen der Ausrüstung bis zur ersten selbstständigen Abfahrt. Gerade hier braucht es Geduld, klare Organisation, spielerische Lernformen und ein gutes Gespür für die Kinder. Gute Kinderskikurse sind Teamarbeit: Schuhe schließen, Ski tragen, Tränen trocknen, Mut machen, erklären, vormachen, sichern – alles gleichzeitig.
Die neue Ausbildung ist als Ausbildungsstufe vor der Grundstufe gedacht, soll Theorie und Praxis verbinden und bereits ab 14 Jahren möglich sein. Der zweitägige Lehrgang von Samstagmorgen bis Sonntag findet überwiegend am Berg statt. Es geht um persönliches Fahrkönnen, kindgerechtes Demonstrieren, methodische Übungsreihen, den Einsatz von Hilfsmitteln und eine spielerische, sichere Einführung in die ersten Schwünge.
Ergänzt wird die Praxis durch theoretische Inhalte: Grundlagen des Kinderskilaufs, Bewegungslernen, Unterrichtsplanung, Organisation von Kursen, Verhalten am Berg, FIS-Regeln, Erste Hilfe sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Auch Nähe und Distanz, das Erkennen von Grenzen und sicheres Handeln in Betreuungssituationen werden praxisnah behandelt. Insgesamt ist der Lehrgang auf rund 20 Lerneinheiten ausgelegt. Eine Prüfung ist zunächst nicht vorgesehen.
Unterstützung im Kurs – keine eigene Kursleitung
Wichtig ist: Der oder die Kinderskilehrer*in ersetzt keinen ausgebildeten Skilehrerin. Die Verantwortung für Kurs und Lehrauftrag bleibt weiterhin bei der ausgebildeten Lehrkraft.
Kinderskilehrer*innen unterstützen im Kurs, helfen bei der Betreuung, begleiten Übungen, geben Sicherheit und bringen sich dort ein, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie führen keine Gruppe eigenständig und übernehmen keinen Kurs. Ihre Stärke liegt darin, gut vorbereitete Helferinnen zu sein, die wissen, worauf es im Kinderskikurs ankommt.
Für Interessierte ist die Ausbildung ein idealer Einstieg. Wer sich vorstellen kann, später selbst die Grundstufe oder weitere Ausbildungsstufen zu absolvieren, bekommt hier erste Sicherheit. Die Teilnehmenden lernen, wie Skitechnik verständlich vermittelt wird, wie Kinder Bewegungen spielerisch erlernen und wie ein Skikurstag organisiert ist. Gleichzeitig entwickeln sie ihr eigenes Fahrkönnen weiter und lernen, sauber und kindgerecht vorzufahren. So entsteht ein erster, geschützter Erfahrungsraum auf dem Weg zur Skilehrtätigkeit.
Nachwuchs für die Ortsgruppen gewinnen
Viele schneesportaktive Ortsgruppen kennen die Herausforderung: Die Nachfrage nach Kinderskikursen ist hoch, die Zahl der ausgebildeten Skilehrer*innen aber begrenzt. Gut vorbereitete Kinderskilehrer*innen können hier entlasten. Sie ermöglichen kleinere Gruppen, bessere Betreuung und mehr Sicherheit im Kursalltag. Vor allem aber schaffen sie eine Perspektive: Aus heutigen Helferinnen können die Skilehrerinnen von morgen werden.
Ein Beispiel aus einer schneesportaktiven Ortsgruppe zeigt den Weg. Dort wächst der Großteil des Skilehrer*innen-Nachwuchses aus der eigenen aktiven Skijugend heran. Neben den Skikurstagen werden diese aktiven Jugendlichen über weitere Angebote gefördert: Teilnahme an Rennen, freie Skitage oder auch Tage im Tiefschnee mit ausgebildeten Variantenführerinnen.
Wer Interesse an der Skilehrerinnentätigkeit entwickelt, darf zunächst als Betreuerin oder Helferin in bestehende Kursgruppen hineinschnuppern. Daraus entstehen Nachwuchsgruppen, die gezielt von Ausbilderinnen begleitet und auf die spätere Ausbildung vorbereitet werden.
Pro Saison werden dort eine Vielzahl an Kursen angeboten – von Anfängergruppen bis zu Fortgeschrittenenkursen und Tagesfortbildungen, auf Ski ebenso wie auf dem Snowboard. Die Gruppen werden bewusst klein gehalten. Im Anfängerbereich betreut eine Ausbilderin in der Regel maximal sechs Kinder und wird dabei von einer Hilfskraft unterstützt. Bei Kindern zwischen vier und sieben Jahren sind sogar zwei Helfende pro Kurs dabei.
Gemeinschaft, Ehrenamt und Mitgliedergewinnung
Solche Angebote sind mehr als reine Sportkurse. Sie sind oft der erste Kontakt von Kindern und Familien zum Schnee und den NaturFreunden. Wer im Skikurs Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Freude erlebt, bleibt dem Verein häufig verbunden.
Noch wichtiger ist der langfristige Effekt: Aus Kindern werden Jugendliche, aus Teilnehmenden werden Helfer*innen, aus Helfer*innen werden Ausbilder*innen. Frühzeitige Einbindung ist eine zentrale Form der Mitgliedergewinnung und Nachwuchssicherung.
Für die NaturFreunde bedeutet Schneesport nicht nur Bewegung im Schnee, sondern gemeinsames Naturerlebnis, Verantwortung füreinander zu übernehmen und gelebtes Ehrenamt. Die neue Ausbildung zumzur Kinderskilehrer*in kann dazu beitragen, diese Werte an die nächste Generation weiterzugeben – praxisnah, motivierend und nah an den Bedürfnissen der Ortsgruppen.
Florian Oberhauser
(Dieser Artikel ist bereits erschienen in NATURFREUNDiN 3-26, dem Mitgliedermagazin der NaturFreunde Deutschlands.)

